Salsa in der Medien-Revolution

Jul 7th, 2009 | By Videopunk | Category: Allgemein, Online-Journalismus

Das Totschlagwort „Medienkonvergenz“. Wer an dieser heiligen Kuh der Medienbranche zweifelt, wird als Ewiggestriger dargestellt. Doch was ist Medienkonvergenz?

Die Kommunikationswissenschaften verstehen darunter das Annähern verschiedener Medientypen. Allzu gern wird das Beispiel „Internet“ genommen: Die große Spielwiese ohne mediale Beschränkungen.

Medialer Ringelpietz

Das Bild ist so herrlich schön: Fernsehmacher, Tageszeitungsredakteure, Fotografen, Radiojournalisten – sie alle treffen sich auf einer grünen Wiese und tanzen eng umschlungen im Kreis. Die große Fernsehdokumentation läuft auf dem Handy, die Print-Kolumne wird von einem Redakteur in die Videokamera verlesen. Alle sind glücklich.

Die Realität sieht allerdings weniger rosig aus. Statt der von vielen Medienhäusern gewünschten Evolution befinden wir uns bereits in einer Revolution. Nun geht es nicht mehr darum, dem Nebenmann beim Tanz nicht auf die Füße zu treten. Der Ringelreigen wird blutig. Es kann nur wenige geben.

Wer kannibalisiert hier wen? Die Frage, die über allem schwebt: Wer kann seine Muskeln beim Medien-Darwinismus am Besten spielen lassen.

Hört auf das Volk!

Dabei wird der wichtigste Revolutionsfaktor vergessen: Das Volk. Sprich: Der Mediennutzer.

Er zeigt wenig Verständnis für die allerortens ausgerufenen „Synergieeffekte“. Nur weil etwas technisch möglich ist, muss es nicht Sinn machen. Diese zunächst sehr christliche anmutende Ethik spiegelt das veränderte Mediennutzungsverhalten einer neuer Generation wieder. Der Inhalt muss sich dem Medium anpassen. Und so macht es wenig Sinn – für den Nutzer – sich eine Langzeit-Dokumentation über die afrikanische Steppe in Cinemascope auf dem Handy anzusehen.

Nur 1,6 Prozent der 14- bis 64-Jährigen in der deutschen Bevökerung zeigen Kaufinteresse beim Thema „Handy-TV“. Hauptablehnungsgrund: Das kleine Display des Handys. (Quelle: TNS Infratest Media Research, September 2008).

Während sich manche Medien nur langsam einen Platz auf dem Marktplatz sichern können, bleiben die Nutzungsdauern an anderen Stellen konstant. Der Fernsehkonsum in Deutschland ist im ersten Quartal 2009 sogar leicht angestiegen (Quelle: SevenOneMedia Sonder-Studie). In schlechten wirtschaftlichen Zeiten ist der Wunsch nach Berieselung besonders groß. Hier schlägt das Medium Fernsehen mit seinen Formaten die kleinen Clips im vermeintlich unübersichtlichen Internet.

Der Souverän

Medienkonvergenz in Zeiten der pluralisierten Medien bedeutet also, den Souverän „Nutzer“ ernst zu nehmen. Oder besser: Auf den Kunden zu hören. Dies fängt bei der technischen Nutzbarkeit eines Produktes an und findet seine Vollendung bei den Inhalten. In Zeiten der allgegenwärtigen medialen Reizüberflutung gilt heute mehr denn je: „Content is king“.

Ist die Revolution noch aufzuhalten? Sicherlich nicht. Medienhäuser müssen diese Chance ergreifen. Als Tanzschulen, die ihren Medien das sinnvolle Miteinander beibringen. Und wer nicht spuren will, der fliegt. Schumpeter nannte dies die „Schöpferische Zerstörung“.

Zwei Worte, die den Begriff „Medienkonvergenz“ besser beschreiben können als jeder Kommunikationswissenschaftler.

One comment
Leave a comment »

  1. “In schlechten wirtschaftlichen Zeiten ist der Wunsch nach Berieselung besonders groß. Hier schlägt das Medium Fernsehen mit seinen Formaten die kleinen Clips im vermeintlich unübersichtlichen Internet.”
    Also ob diese Aussage so stimmt, möchte ich bezweifeln. Ok, es kann sein, dass mal wieder ein wenig mehr TV gesehen wird, viele Studien zeigen jedoch einen eindeutigen Trend in Richtung steigender Internet-Nutzung. Ansonsten ein sehr treffender Text.

Leave Comment